“Wir sehen uns im Mittelfeld, gleich hinter Neunkirch, Basel, Zürich und Lugano”, so Dietrich Münstermann, der Trainer des FCL. Sich mit den Topteams vergleichen zu wollen ist kein Thema. Entsprechend war es für ihn auch keine Überraschung, dass man gegen die Dominatorinnen der laufenden Saison kaum eine Chance hatte. Die ersten 10 Minuten auf dem Sportplatz Bühl in Schaffhausen, der zweiten Heimat des FC Neunkirch, gehörten allerdings den Luzernerinnen. Die Gäste aus der Zentralschweiz starteten mit viel Tempo und spielten sich zumindest auch einige Eckbälle heraus. Die Verteidigung der Schaffhauserinnen war aber, wie auch in den bisherigen neun Spielen, äusserst sicher und liess nichts anbrennen. Danach übernahmen die Leaderinnen das Spieldiktat und bewiesen einmal mehr, weshalb sie nicht nur ungeschlagen in die Winterpause gehen, sondern auch mit Abstand die meisten Tore erzielten. Die Präzision in den Passspielen war eine Augenweide und das gesamte Mittelfeld der Gäste war sichtlich überfordert. Der Doppelschlag von Amelia Pietrangelo in der 20. und 21. Minute war dann auch gleich das Schlussresultat einer über weiter Strecken einseitigen Partie. Auch nach dem Seitenwechsel bestimmte Neunkirch den Verlauf der Partie. Beim FCL gelangen erst ab der 65. Minute einige Spielzüge, der letzte Pass allerdings ging ein ums andere Mal ins Leere. Es war Antonia Albisser zu verdanken, dass man nicht noch höher verlor. Die FCL-Torhüterin, welche nach ihrem Rücktritt im Sommer reaktiviert wurde und die verletzungsbedingt abwesende Nadine Böni ersetzte, bewies, dass sie ihr Metier nicht verlernt hatte. So kamen am Ende zu den fünf Gegentoren beim FC Neunkirch keine weiteren Treffer dazu. Entsprechend eindrücklich ist die Bilanz, welche man aus früheren Zeiten eher vom FC Zürich Frauen gewohnt war. Zehn Spiele, zehn Siege und ein Torverhältnis von 43:5 sprechen eine derart deutliche Sprache, dass sich auch Beat Stolz, der Sportchef der Neunkircherinnen, etwas selbstbewusster als sonst gab, auch wenn er zuerst wieder die Leistungen des FCZ lobt: “Ein Champion, wie es der FC Zürich ist, lässt sich nicht jagen, sondern macht seinen Job. Die kommen nochmals, da bin ich überzeugt.” Dennoch sieht er auch sein Team mittlerweile an vergleichbarer Stelle, denn er wiederholt, dass auch sie sich nicht jagen lassen und ihre Weg gehen. Als Grund für diese Dominanz erachtet er die Tatsache, dass der Kern des Teams, die Achse, zusammen geblieben ist. Man habe so in der Athletik, im technischen Bereich weiter arbeiten können und sei im System flexibler geworden. Hinzu kommt, dass die Zuzüge, wie Valentina Bergamaschi oder Paula Serrano Castano mehr Substanz gebracht haben. Auffällig ist bei Neunkirch aber die ausgeprägte Winnermentalität. Stolz differenziert allerdings: “In der Tagesstruktur mussten die Ausländerinnen zu ‘Schweizerinnen’ gemacht werden, aber wir haben versucht ein Winnergen zu entwickeln. Der Schlüssel liegt in der harten Arbeit über Jahre und immer neue Ideen, die wir eingebracht haben. Einfach sei es aber sicher nicht, die verschiedenen Kulturen in einem Team zu vereinbaren.” Der Erfolg gibt Stolz recht. Sein Gegenüber, Dietrich Münstermann, hat selbstredend eine andere Perspektive: “Wir haben gegen ein erfahrenes Team mit einer Vielzahl von Nationalspielerinnen gespielt. Diese Erfahrung fehlt uns. In vielen Situationen haben kleine Dinge den Unterschied gemacht, was zeigt, was die Gegnerinnen für eine Klasse haben. Heute sind wir weiter als beim Hinspiel, was die Cleverness und Fitness anbelangt. Dies ist eine positive Entwicklung, welche der Gegner nicht mehr machen muss. Man sieht, dass wir daran arbeiten und Schritt für Schritt vorwärts kommen.”

Quelle: http://www.frauenfussballmagazin.ch/2016/10/winterpause-in-der-meisterschaft-neunkirch-makellos/